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Die zähe Dialektik des Erfolges

Die Nachfragen des Lesepublikums wollen einfach nicht aufhören: Wann kommt denn nun endlich der 2. Band der Marx-Biographie von Michael Heinrich? Besten Wissens und Gewissens antwortet der Verlag seit geraumer Zeit: 2022, Frühjahr 2023, Herbst 2023, Herbst 2024, Frühjahr 2025… und jetzt mit ziemlicher Sicherheit Oktober 2026.

Es ist ja nicht so, dass der Autor nicht möchte, gar faul sei oder an der Materie scheitere. Es ist nur so, dass die Bücher von Michael Heinrich in immer mehr Sprachen übersetzt werden.
An erster Stelle seine Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie. Sie erschien bisher auf Chinesisch, Englisch, Französisch, Griechisch, Japanisch, Koreanisch, Kroatisch, Schwedisch, Slowenisch, Spanisch, Tschechisch und aktuell auf Niederländisch. Jede Übersetzung bringt Nachfragen der Übersetzer mit sich, die den Autor beschäftigen. Bei Wie das Marxsche Kapital lesen war es ebenso. Hier haben inhaltliche Nachfragen zu Konkretisierungen bei den Nachauflagen geführt. Gut für die LeserInnenschaft, schlecht für den gesamten Produktionsprozess eines Autors unter zeitlichen Gesichtspunkten.

Michael Heinrichs 2. Band der Marxbiographie könnte 2026 erscheinen, wenn nicht… Aber schon die Arbeit am Werk selbst ist nicht ohne. Leicht zu begreifen für den, der Heinrichs Akribie kennt. Da kann in Band 2 nicht einfach Friedrich Engels auftreten und mit Karl Marx bekannt gemacht werden – nein, das geht nur, wenn Engels mit einer «Inbook-Biographie» genüge getan und so den LeserInnen die tiefe Bedeutung des politischen Freundes nahe gebracht wird. Auch für die Darstellung der religions-philosophischen Debatten der Zeit muss ein Buch ums andere gelesen, müssen letzte Details abgeklärt sein…
Und dann ist plötzlich noch Band 1 ausverkauft; schlichtes Nachdrucken geht nicht, neue Erkenntnisse und Konkretisierungen als Ergebnis der LeserInnenresonanz oder der Arbeit mit den Übersetzern müssen berücksichtigt werden. Zudem ist nicht zu übersehen, dass die Unterstützung der Übersetzungen in fünf Sprachen, darunter ins Arabische, und die daraus folgenden Buchpräsentationen (Brasilien, China…) ebenso ihre Zeit benötigten, wie aktuell die Übersetzung von Band 1 der Marx-Biographie ins Chinesische. Auch kann die Anfrage der Gewerkschaftsjugend nach einem Referenten nicht ignoriert werden…

So kommt eins zum anderen und die Zeit schwindet, aber die verlegerische Hoffnung bleibt. Hoffentlich auch die Geduld des Publikums.

Mittlerweile, im August 2026, ist das Manuskript eingetroffen und wird noch 2026 erscheinen. Bis dahin ein kleiner Vorgeschmack in Form des Inhaltsverzeichnisses:

Viertes Kapitel:
Die Ursprünge des frühen Marxschen
Republikanismus (1841–1842)

  1. Rückkehr ins Rheinland:
    Frühe Pläne — Erbschaftsangelegenheiten — Religionskritik und das Ende von Marx’ Universitätsplänen — Politisches und Privates in Köln *
  2. Die Zuspitzung der religionsphilosophischen Debatte.
    Ludwig Feuerbachs „Wesen des Christentums
    Strauß, Bauer und Feuerbach im Jahr 1841 — Gott und das menschliche Gattungswesen — Atheismus, Anthropologie und Sozialphilosophie — Ein Marx irrtümlich zugeschriebener Text über Feuerbach
  3. Bruno Bauers Revolutionärer Republikanismus
    Liberalismus, Republikanismus und Radikalismus im Vormärz — Bauers Republikanismus und der Kampf mit dem „christlichen Staat“ — Die atheistisch-revolutionäre Hegel-Interpretation in der „Posaune des jüngsten Gerichts“ — Die Fortsetzung der „Posaune“ — Wie ernst war Bauers Hegel-Interpretation gemeint? — Wie stichhaltig ist Bauers Hegel-Interpretation?
  4. Welcker-Serenade und Bauers Entlassung
    Die Welcker-Serenade — Bruno Bauer wird die Lehrerlaubnis entzogen — „Die gute Sache der Freiheit und meine eigene Angelegenheit“
  5. Publizistische Suchbewegungen
    Der zweite Teil der „Posaune“ und das Verhältnis von Marx und Bauer — Marx’ angekündigte Abhandlung über Christliche Kunst — Die „Bonner Hefte“ – Exzerpte zu Kunst, Religion und Fetisch — Marx‘ erste journalistische Arbeit: Kritik der neuesten preußischen Zensurinstruktion


    Fünftes Kapitel:

    Die Rheinische Zeitung (1841–1843)
    Marx’ Anfänge als Journalist
  6. Die Rheinische Zeitung und ihr Umfeld
    Köln als Wirtschaftsmetropole — Journalismus und Zeitungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts — Der junge Moses Hess — Die Gründung der Rheinischen Zeitung — Konfliktreiche Anfänge *
  7. Marx’ erste Aufsätze für die Rheinische Zeitung
    „Selbstthätigkeit“ und Pressefreiheit — Eine „Allerwidrigste Familiencontroverse“ — Religion, Philosophie und Staat — Auseinandersetzung mit der Historischen Rechtsschule — Das Kölner Dombaufest — Begegnung mit Bettina von Arnim in Kreuznach
  8. Redakteur der Rheinischen Zeitung – Auseinandersetzungen
    über Kommunismus, Holzdiebstahlsgesetz und die Lage der Moselwinzer
    Marx’ Weg zum Redakteur — Der frühe Kommunismus und Marx’ erste Beschäftigung damit — Der Staat und die Sonderinteressen der Eigentümer: Debatten über das Holzdiebstahlsgesetz — Konflikt mit dem Oberpräsidenten Schaper — Kommunalverfassung, Ehescheidungsgesetz, Ständische Ausschüsse — Die Not der Moselwinzer, die sachliche Natur der Verhältnisse und die Notwendigkeit der Presse
  9. Konflikt mit den „Freien“ und Bruch mit Bruno Bauer
    Die Berliner „Freien“ — Zunehmende Konflikte mit den „Freien“ und Marx’ erstes Zusammentreffen mit Engels — Ruge, Herwegh und die „Freien“ — Marx’ Bruch mit den „Freien“ und mit Bruno Bauer — Die tieferen Ursachen des Konflikts
  10. Der Umschwung der preußischen Pressepolitik
    und das Verbot der Rheinischen Zeitung
    Das Verbot der Leipziger Allgemeinen Zeitung in Preußen — Das Verbot der Deutschen Jahrbücher — Die Verbotsverfügung gegen die Rheinische Zeitung — Die Rolle des russischen Zaren — Marx’ Lernprozesse bei der Rheinischen Zeitung

Sechstes Kapitel:
Der junge Engels: Kaufmannslehrling, Journalist, Kapitalismuskritiker (1820-1842)

  1. Kindheit und Jugend in Barmen
    Barmen und Elberfeld: Zentren der Frühindustrialisierung und des Pietismus — Die Familie Engels: Unternehmergeist und pietistische Religiosität — Die Eltern: Friedrich Engels sen. und Elise van Haar — Schulzeit und erste literarische Versuche
  2. Lehrjahre in Bremen: Mit Strauß, Börne und Hegel gegen protestantische Orthodoxie und preußischen Obrigkeitsstaat
    Bremen im Vormärz — Treviranus und Leupold — Die „Graeber-Briefe“ und ihre Verwendung in der Engels-Literatur — Vom Kritiker zum Anhänger des ‚Jungen Deutschland‘. Die Briefe aus dem Wuppertal — Vom Protestantismus mit Strauß zur Hegelschen Philosophie — Mit Ludwig Börne zum Republikanismus — Die Vereinigung von Börne und Hegel — Engels‘ Interesse am „Volk“ und den arbeitenden Klassen
  3. Engels in Berlin: Feuerbach-Lektüre, Schellingkritik, Hegelrezeption
    Militärdienst, Freunde und Universität in Berlin — Feuerbachs „Wesen des Christentums“ und Engels’ lückenhafte Erinnerungen in „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ — Schelling und Hegel über Wissenschaft — Unterschiedliche Erwartungen an Schelling — Schellings Berliner Vorlesung über die „Philosophie der Offenbarung“ — Der junge Engels als Kritiker Schellings — Die Hegelrezeption des jungen Engels — Politik, Literatur und Parodie *
  4. Von Berlin nach Manchester: Engels’ frühe Kapitalismuskritik
    Treffen mit Moses Hess in Köln. Rückkehr nach Barmen — Engels’ Aufsatz über Friedrich Wilhelm IV. — Erstes Zusammentreffen mit Marx. Artikel aus Manchester für die Rheinische Zeitung
    Anhang 2: Neubestimmung der Autorschaft bei bisher Marx oder Engels zugeschriebenen Texten aus den Jahren 1842/43
    Anhang 3: Ergänzungen und Korrekturen zu den Texten der MEGA für die Jahre 1837-1843
    Literaturverzeichnis
    Werkregister Marx Engels
    Personenregister
    Sachregister für die Bände 1 und 2